Artikel aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 19.01.2001


Der junge Türke Jasin Semiz besucht die zehnte Klasse der Gesamtschule und findet, dass es an der Zeit ist, sich um die berufliche Zukunft zu kümmern. Tuba Mutlu sitzt vor dem Computer und tippt eine Bewerbung. Sie möchte nach der Schule Arzthelferin werden. Canan Güney beendet im Sommer die Handelsschule und surft im Internet, um heraus zu finden, welche Laufbahn ihr im Anschluss zusagen könnte. Die drei türkischen Jugendlichen sind froh, dass sie im Rahmen des Ausbildungstreffs "Magic Point" von Fachleuten beraten werden und die technischen Möglichkeiten nutzen können, um ihren Berufsweg früh genug zu planen. Zum siebten Mal hatte der Verein für soziale Dienste(VsD) in Kooperation mit dem Arbeitsamt und der Begegnungsstätte Hackenberg Anfang der Woche zur Ausbildungsbörse geladen und wie immer herrschte reger Betrieb. "Hey, hast Du eine Lehrstelle für mich?" Wolfgang Uelner vom VsD, der in der Begegnungsstätte ständiger Ansprechpartner für die Jugendlichen ist, verweist auf die 20 Meter lange Wäscheleine, an der insgesamt 336 angebotene Ausbildungsplätze für den Sommer 2001 mit kunterbunten Wäscheklammern befestigt sind. "Der Ausbildungstreff ist sehr vorbereitungsintensiv", schildert Uelner. Er hatte bis zur letzten Sekunde gewartet, um die Angebote des Arbeitsamtes auszudrucken. Schließlich sollen sie so aktuell wie möglich sein. Stellensuche und das Schreiben von Bewerbungen und Lebensläufen ist in der Begegnungsstätte jeden Tag ein Thema. "Viele Jugendliche kommen auch, um Referate für die Schule zu schreiben", sagt Uelner. Er erklärt, wie ein Bewerbungsschreiben auszusehen hat, welcher Inhalt gefragt ist korrigiert Form und Rechtschreibung und hilft beim Scannen von Passbildern für Online-Bewerbungen. Um die benachteiligten Jugendlichen-sprich Schulabbrecher ohne Abschluss, Arbeitslose oder Schulabgänger mit schlechten Noten-kümmert sich Günter Rodenbeck, der ebenfalls beim Verein für soziale Dienste angestellt ist. "Ich sorge dafür, dass sie sich arbeitslos melden und versuche in Zusammenarbrbeit mit den Arbeitsberatern oder wenn nötig mit dem Sozialamt zu einer positiven Lösung zu kommen." Rodenbeck checkt die Defizite der bis zu 25 Jahre alten Jugendlichen ab und klärt, ob eine schulische Weiterbildung sinnvoll ist. "Ich betreu sie so lange, bis sie eine Arbeit gefunden haben und vermittele ihnen auch Praktikumsstellen.

Der Traum vom IT-Beruf


Die Klientel insgesamt kommt von der Hauptschule, von Sonderschulen, aber auch Realschüler und Gesamtschüler zum Teil auch aus dem Gummersbacher Raum gehören dazu. Jasin Semiz verschafft sich derzeit einen Überblick über die Berufe, die ihn interessieren könnten, falls er nicht wie erhofft die Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe schaft."Ich möchte gerne IT-System-Elektroniker werden, dazu brauche ich Abitur." Wie viele junge Türken hat er sein Problem im Fach Deutsch und daraus folgend auch in Englisch. Da ist die Qualifikation natürlich leicht in Gefahr. Jasin könnte sich auch vorstellen, eine Ausbildung als Kommunikationselektroniker oder eine Banklehre zu machen. "Du mußt mal unter >>Berufskolleg Oberberg<< im Internet schauen. Da kann man in drei Jahren Informationstechnischer Assistent werden", rät Jasins Kumpel, der sich am Nachbar-PC per Mausklick über seine Berufschancen informiert. am 20. Februar ist der nächste Magic Point-Termin in der Begegnungsstätte, weitere sind am 20.März, 15.Mai und am 19. Juni vorgesehen.

Von Anke Mortsiefer